Japanischer Tierkreis
Zwölf Zeichen, verwurzelt im alten japanischen Kalender
Die Zeichen
Geschichte & Ursprung
Der japanische Tierkreis — jūnishi (十二支), oder in der Alltagssprache eto — ist das chinesische System, und Japan hat nie etwas anderes behauptet. Dieselben zwölf Tiere in derselben Reihenfolge, derselbe sechzigjährige Sexagesimalzyklus aus zehn Stämmen und zwölf Zweigen kamen aus China über Korea, mitgetragen vom Buddhismus und dem chinesischen Kalender, irgendwann zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. Seit anderthalb Jahrtausenden ist er Teil des japanischen Lebens, doch seine Knochen sind chinesisch.
Japan hat gleichwohl seine Spuren hinterlassen. Das zwölfte Tier, das chinesische Schwein, ist in Japan der Wildeber (i, 亥) — geschätzt nicht für Wohlstand, sondern für Mut und ungestüme Entschlossenheit. Die Tiere bestimmten lange nicht nur Jahre, sondern auch Stunden, Himmelsrichtungen und die Ordnung der Ereignisse, und sie durchdringen das Neujahrsfest: die nengajō-Grußkarten, Tempelbesuche und Dekorationen jedes Januars stellen das Tier in den Mittelpunkt, dessen Runde gekommen ist.
Der schärfste Unterschied liegt im Kalender. 1872 gab das Meiji-Japan den alten Lunisolarkalender chinesischer Prägung zugunsten des westlichen gregorianischen auf — und der Tierkreis zog mit. Während also China, Korea und Vietnam das Tier noch immer zum Mondneujahr Ende Januar oder im Februar wechseln, übernimmt in Japan das neue Geschöpf genau am 1. Januar. Ein im Januar Geborener kann daher ein anderes japanisches Zeichen tragen als nach chinesischer Rechnung.
Die ehrliche Darstellung ist somit die im Ostasien vertraute: Die Zeichen sind eine alte und echte Tradition, aber eine chinesische, übernommen und nicht erfunden. Unverwechselbar japanisch ist die Rahmung — der Eber anstelle des Schweins, die Neujahrskarten und der klare Wechsel zu einer Januar-Rechnung, der Japans Tierkreis leise ein wenig vom Rest der Familie abhebt, die ihn teilt.