In (Tiger)

In (Tiger)

寅 · 호랑이띠 · 범띠

In (寅), der Tiger, ist das dritte der zwölf Tiere des koreanischen Tierkreises; wer in seinem Jahr geboren ist, ist horangi-tti (호랑이띠) oder beom-tti (범띠). Das Koreanische Nationale Volkskundemuseum nennt den Tiger wohl das beliebteste Tier Koreas: eine brutale Bestie, die Unheil ankündigte, und ein heiliges Geschöpf, das böse Geister vertrieb, ein höfliches Tier, das eine Freundlichkeit vergalt, und bisweilen ein leicht zu überlistender Narr. Unsere Vorfahren, schreibt das Museum, liebten ihn, hassten ihn, fürchteten ihn und achteten ihn.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr)

Stunden
3–5 Uhr
Monat
Erster Mondmonat
Jahreszeit
Von Ipchun bis zum Vortag von Gyeongchip
Richtung
Ost-Nordost
Yin–Yang
Yang
Element
Holz

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Composition of the Twelve Zodiac Animals (nfm.go.kr); National Folk Museum of Korea, 한국민속상징사전, «호랑이띠»

Geboren im Jahr des Tigers

Die Koreaner glauben seit langem, dass Schicksal und Charakter eines Menschen bis zu einem gewissen Grad vom Tier seines Geburtsjahres bestimmt sind und dass die im Jahr des Tigers Geborenen die Natur des Tigers annehmen. Die Überlieferung beschreibt sie als unabhängig: Sie arbeiten nicht gern unter anderen und können nicht verlieren. Dieses Selbstvertrauen lässt ihnen Raum für andere, und man sagt, sie seien geboren, viele Menschen zu führen, mit der Würde eines Anführers, einem starken Verantwortungsgefühl und einem frühen Aufstieg im Leben. Weil der Tiger der Erzählungen Freundlichkeit vergilt, sollen die Tiger-Geborenen gerecht und großzügig sein, jede Hilfe vergelten und die Arbeit anderer wie ihre eigene übernehmen.

Dieselbe Überlieferung sieht in ihnen die Fehler des Tigers. So wie der Tiger seine Beute oft verfehlt, sollen die Tiger-Geborenen ihre Kräfte überschätzen; impulsiv und voller Energie, ungeduldig und darauf aus, alles auf einmal zu regeln, scheitern sie oft in Geschäften, und sie können misstrauisch und zögerlich sein. Das Museum fügt hinzu, dass sie bei allem Ungestüm auch ernsthaft, warmherzig und großzügig sind und dass ein niedergeschlagener Tiger-Geborener echtes Mitgefühl braucht — und es doppelt vergelten wird.

Auch der Volksglaube leitet sich aus dem Leben des Tigers ab. Weil der Tiger allein lebt, hieß es, große Mönche würden in einem Jahr, Monat oder an einem Tag des Tigers geboren, und Menschen mit dem Tiger in ihren vier Säulen würden leicht zu Geistlichen oder Künstlern. Man sagte, das Vieh gedeihe nicht in einem Haus mit einem Tiger-Geborenen, zwei Tiger-geborene Eheleute kämen nicht miteinander aus, und ein Tiger-geborener Junge werde besser nachts geboren, wenn der Tiger am stärksten ist — ein Mädchen umgekehrt.

Quelle: National Folk Museum of Korea, 한국민속상징사전, «호랑이띠»; National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr)

Jahre und Seollal

Das Tier wechselt an Seollal, dem koreanischen Neujahr, nicht am 1. Januar: Wer im Januar oder Februar geboren ist, sollte das Datum von Seollal in seinem Geburtsjahr prüfen. Daten nach dem koreanischen Kalender, wie sie das Korea Astronomy and Space Science Institute veröffentlicht.

Jahr Seollal (Jahresbeginn)
1902 8. Februar
1914 26. Januar
1926 13. Februar
1938 31. Januar
1950 17. Februar
1962 5. Februar
1974 23. Januar
1986 9. Februar
1998 28. Januar
2010 14. Februar
2022 1. Februar
2034 19. Februar
2046 6. Februar

Quelle: Korea Astronomy and Space Science Institute (KASI), 음양력 변환 (solar–lunar calendar conversion, astro.kasi.re.kr)

Der Tiger in Korea

Korea war lange als „Land der Tiger“ bekannt: Sein Gebiet besteht größtenteils aus Bergen, und Tiger gab es viele. Das Museum datiert das erste Auftreten von Tigern auf der Halbinsel auf die Zeit vor etwa 30.000 Jahren und findet sie in der koreanischen Kunst von Anfang an — in den Felsbildern der Bangudae-Terrasse in Daegok-ri, Ulju, auf einer tigerförmigen Gürtelschnalle der Bronzezeit, auf Stirnziegeln und auf Keramik. Wegen seines kräftigen Körpers, seiner Gewandtheit, seiner Klugheit und seiner Anmut nannte man den Tiger die „lebendige Anmut“, den „Berggott“ und den „Berghelden“; er wurde zum Symbol der Heiligkeit und Koreas selbst, und 1988 war der Tiger Hodori das Maskottchen der Olympischen Spiele von Seoul.

Nur ein Teil Koreas hatte keine Tiger: die Insel Jeju, die, wie es hieß, deshalb abgeschieden geworden war, weil dort keine Tiger lebten. Zeitungen aus der japanischen Kolonialzeit berichten von ihrem allmählichen Aussterben auf der Halbinsel, und Fotografien jener Zeit zeigen die letzten Tiger tot zu Füßen der Jäger.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr)

Symbolik und Volksglaube

Im Volksglauben ist der Tiger der König der Tiere, ein Symbol für Mut und Weisheit, für Einsamkeit und ein verborgenes Leben; er bewacht den Berggeist und wird manchmal für den Berggeist selbst gehalten. Man glaubte, dass er die Menschen beschützte, mal mit Autorität, mal mit großer Güte, und auf sein Gesicht kam es vor allem an: Die Koreaner haben es auf unzählige Arten gezeichnet, es mit dem geistigen Stolz des Volkes verbunden und sagen, sie könnten das Gesicht des Tigers in den Gesichtern großer Führer erkennen.

Seine Schnurrhaare standen für Autorität. Der struppige Bart eines Mannes hieß hosu (虎鬚), „Tigerschnurrhaare“, und echte Tigerschnurrhaare schmückten die roten Hüte der Militärbeamten; man glaubte, der Tiger sehe durch seine Schnurrhaare das frühere Leben eines Menschen, erkenne einen Asketen und trage ihn auf seinem Rücken. Seine Kraft, böse Geister zu vertreiben, bemerkt das Museum, war im ganzen Alltag der koreanischen Vorfahren gegenwärtig.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr); National Folk Museum of Korea, 한국민속상징사전, «호랑이띠»

Legenden und Volkserzählungen

Eine Legende um den Joseon-Staatsmann Han Myeong-hoe (韓明澮) zeigt, wie Koreaner einst einen Menschen beurteilten. Seine Studierstube lag weit von zu Hause entfernt, und wenn er lange nach Sonnenuntergang heimkehrte, erschien ein großer Tiger und trug ihn auf seinem Rücken nach Hause. Eines Tages kam der Tiger nicht mehr; Han ging ihn suchen und fand ihn in einer Falle. Er bezahlte den Jäger und ließ ihn frei, und der Tiger, tief gerührt, weinte in seinen Armen.

Großmütter erzählten Kindern von dem Tiger, der erschien und brüllte: „Gib mir ein Stück Reiskuchen, dann fresse ich dich nicht lebendig“ — und es war nur noch ein Stück übrig. In den Erzählungen ist der Tiger ritterlich und weiß eine Freundlichkeit zu vergelten, doch er lässt sich auch überlisten, und das Museum beschließt seinen Bericht mit jener Stimme: Der koreanische Tiger lebt weiter in der zärtlichen Stimme der koreanischen Großmütter.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr); National Folk Museum of Korea, 한국민속상징사전, «호랑이띠»

In der Kunst

Auf den Berggott-Bildern des neunzehnten Jahrhunderts (Sansindo, 山神圖) streichelt ein weißhaariger alter Mann mit sanftem Lächeln einen Tiger, den Boten des Gottes oder den Gott selbst. In der Volksmalerei (minhwa, 民畵) erscheint der Tiger neben einer Elster, als kkachi horangi oder „Elster-Tiger“: Die Elster, Koreas Nationalvogel, ist ein Vogel guter Vorzeichen, und der Tiger wird manchmal lächerlich gezeichnet, als hätte ihn der Vogel überlistet, manchmal als Bote, der den Willen des Gottes trägt, den die Elster überbringt. Diese Bilder sprechen auch von vergoltener Wohltat.

Der Tiger war das Sinnbild des Kriegers. Die Militärbeamten bildeten die Hoban (虎班), die „Tiger-Abteilung“; Tiger waren auf ihre Brustplatten gestickt und auf weiße Fahnen gemalt, Zeichen von Würde, Autorität und Tapferkeit; ein Tigerfell war der Sitz der Autorität. Die Häuser der Krieger schmückten Horyeopdo (胡獵圖), Stellschirme mit großen Tigerjagden.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr)

Bräuche und Alltag

Der Tiger wachte über den Alltag. Kinder von drei oder vier Jahren trugen eine mit einem Tiger bestickte gulle-Mütze — Ausdruck des Wunsches einer Mutter, dass ihr Sohn stark und aufrecht heranwachse, und die hogeon (虎巾), eine Mütze in der Form eines Tigergesichts, hielt böse Geister fern und brachte gute Gesundheit. Eine echte Tigerkralle oder ein Tigerzahn, oder ihre Nachbildung, hing an den norigae-Anhängern der Frauen; der hojokban-Tisch stand auf Tigerfüßen; und die Sänfte der Braut und die mit Ochsenhorn eingelegten Kästchen adliger Frauen (hwagakham, 華角函) waren mit Tigern verziert.

An der Ostküste hielten die Dörfer das beomgut ab, den „Tiger-Exorzismus“, um die Geister der von Tigern getöteten Menschen zu trösten: ein Spiel zwischen einem Tiger, der einen Hahn lebendig gefressen hat, und dem Jäger, der ihn fängt, aufgeführt für die Sicherheit des Dorfes. Inzwischen ist es zu einem Fest für reichen Fang und die Sicherheit der Fischer geworden.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Tiger (nfm.go.kr)

Verträglichkeit

Harmonische Dreiergruppe (samhap)

O (Pferd), Sul (Hund)

Im Konflikt (wonjin)

Yu (Hahn)

Tiger, Pferd und Hund bilden eine der vier harmonischen Dreiergruppen (samhap, 삼합): Das Brüllen des Tigers, das metallische Bellen des Hundes und das Wiehern des Pferdes, sagt das Museum, sind im Einklang. In Erzählungen der Geomantie ist selbst die mächtigste Grabstätte vom Typ „kauernder Tiger“ erst vollkommen mit einem „Hundefelsen“ — der Beute des Tigers — in der Nähe.

Der Hahn ist das wonjin (원진) des Tigers, das Tier, mit dem er im Konflikt steht: Der Tiger jagt nachts und hasst das Krähen des Hahns, das die Morgendämmerung ankündigt; ein lange krähender Hahn, glaubte man, konnte selbst Gespenster und Tiger aus einem Dorf vertreiben. Die Symbol-Enzyklopädie fügt hinzu, dass der Tiger mit dem Ochsen und dem Affen in ernstem Konflikt und Wettstreit steht, mit dem Drachen, dem Pferd und dem Schwein dagegen in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit.

Quelle: National Folk Museum of Korea, The Story of the Twelve Animals of the Korean Zodiac: Harmony of the Zodiac Animals (nfm.go.kr); National Folk Museum of Korea, 한국민속상징사전, «호랑이띠»